Institutionen/ instituciones
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TALIDE e.V.
Seit Mitte der 90er Jahre existiert Talide e.V. als Verein und fördert seitdem die Integration von Lateinamerikanern in Rostock durch Seminare und Projekte. Aus dem Waldemarhof engagiert sich der Verein für Rostock und Lateinamerika, indem er Interesse für die Kultur der lateinamerikanischen Länder weckt und über deren Situation - wirtschaftlich und kulturell - informiert. Im folgenden Interview berichtet Dr. Rubén Cárdenás, Vorstandsvorsitzender des Vereins über die Ziele und die Situation von Talide.
Interview mit Dr. Rubén Cárdenás
Von wem ging die Gründung von Talide e.V. aus?
Ich, Herr Abarzúa und eine andere Kollegin waren von dem Lateinamerika Institut. Das Institut wurde nach der Wende geschlossen und dann haben wir uns überlegt, wie man weitermachen könnte, was man über das Thema Lateinamerika hier in Rostock machen könnte. Die zweite Überlegung war, dass wir Lateinamerikaner ja auch Migranten sind und haben eigene Probleme haben, und ein Migrantenverein hat das Ziel die Landsleute zu unterstützen, ihnen zu helfen. Die meisten Gründungsmitglieder sind noch dabei.
Wie Sie schon sagten, Talide richtet sich an Lateinamerikaner - haben Sie denn auch andere Zielgruppen, die Sie damit erreichen möchten?
Ja, die Hauptzielgruppe sind die Deutschen, Lateinamerikaner gibt es wenige. Wir sind eine gemischte Migrantenorganisation, bei uns sind auch Deutsche dabei.
Haben Sie vorher zu den Lateinamerikanern Kontakt aufgenommen, sodass sie von Talide erfahren und das Angebot auch wahrnehmen?
Rostock ist so klein und viele Lateinamerikaner gibt es nicht hier. Hier kennt man sich, also das war kein Problem.
Den Miganten zu helfen und die Deutschen zu informieren, sind Ziele von Talide. Gab und gibt es noch andere Ziele von Talide?
Talide heißt Taller Latinoamericano de Investigación y desarrollo, und diese zwei Worte Forschung und Entwicklung reflektieren ungefähr, was wir wollten. Wir wollen auch weiter forschen, um weiter über Lateinamerika zu sprechen. Wir thematisieren die Probleme Lateinamerikas. Eine andere Frage war, was man in Lateinamerika machen könnte, um zur Entwicklung dort beitragen, durch Projekte zum Beispiel. Außerdem, das steht auch in unserer Satzung, geht es um die Integration der Lateinamerikaner hier in Rostock und ihre Reintegration in Lateinamerika.
Wie organisiert sich Talide eigentlich? Hat Talide Unterstützer oder Helfer, die das Funktionieren sichern?
Ja, wir sind ein eingetragener Verein und haben einen Vorstand und eine Vollversammlung, haben eine Satzung und sind registriert. Wir finanzieren und selbst, durch die Beiträge der Mitglieder und durch Projekte.
Wie kam es dazu, dass Talide sich im Waldemarhof befindet?
Das hat damit zu tun, dass Talide - oder wir, die Lateinamerikaner - seit den 90er Jahren ein Zentrum haben wollten, wo verschiedene Migrantenorganisationen die Möglichkeit für eigene Büros haben. Das heißt, ein Zentrum, wo man sich treffen und Seminare durchführen kann. Und so ist es zur Idee Waldemarhof gekommen. Dort gibt es auch andere Projekte, zum Beispiel für geistig Behinderte. Wir nutzen nur einen Teil des Waldemarhofs, aber alle gemeinsam bezahlen wir die Miete für das ganze Objekt. Es ist ein gemeinsames Projekt mit anderen Vereinen wie Diên Hông oder Freunde der russischen Sprache e.V. und der Migrantenrat.
Talide bietet Seminare, Vorträge und Projekte an. Wird das Angebot so genutzt, wie Sie sich das vorstellen?
Nun ja, wir machen verschiedene Projekte. Wir machen kulturelle Projekte wie das Projekt Café Latino zum Beispiel, wo man sich ein Mal im Monat trifft. Da ist es unterschiedlich, also je nach Interesse der Leute. Wenn sich die Leute für ein Thema interessieren, dann kommen sie auch. Es ist sehr, sehr unterschiedlich. Aber wir haben mehrere Jahre verschiedene Veranstaltungen gemacht, und dadurch sind wir auch bekannt in Rostock.
Sind denn verschiede Altersgruppen vertreten?
Wir haben Projekte für verschiedene Gruppen. Zum Beispiel haben wir das Projekt Raíces, das steht auch auf der Homepage. Das ist ein bilinguales Projekt, in dem man versucht mit den Kindern die Sprache und Kultur zu pflegen und es ist hauptsächlich auf der binationalen Ebene angesetzt. Es gibt eine neue Generation von Lateinamerikanern und die treffen sich auch regelmäßig und machen Verschiedenes, aber die Initiative kommt von den Eltern. Ohne die Eltern geht es nicht.
Wenn Sie zurückblicken, von 1995 bis heute, habe sie Unterschiede in der Beteiligung wahrgenommen?
Es gibt bestimme Projekte, die sich etabliert haben. Zum Beispiel die Latin Social Night und verschiedene kulturelle Beiträge haben eine bestimmte "Kundschaft", sozusagen. Es werden vielleicht neue kommen. Aber ich muss sagen, wenn ich es vom Anfang bis heute betrachte, ist eine Steigerung im Interesse zu erkennen.
Welche ist denn ihre Arbeitssprache? Sprechen Sie auf Spanisch, Portugiesisch Englisch oder Deutsch?
Alle sprechen, wie es gerade passt. Wir haben jetzt eine Brasilianerin zum Beispiel, sie spricht Portugiesisch und wir sprechen Spanisch und wir verstehen uns. Deutsch, selbstverständlich, ist die Verwaltungssprache. Alle Projekte, die wir einreichen, müssen auf Deutsch geschrieben werden. Aber vieles machen wir auf Spanisch und ich glaube, es gibt auch eine Gruppe von Interessenten, die hätten gerne, dass wir viel auf Spanisch anbieten, weil sie ihr Spanisch praktizieren oder Spanisch lernen wollen. Solche Möglichkeiten sind so sehr beschränkt hier in Rostock.
Wie würden Sie denn dar Arbeiten bisher beschreiben. Wurden denn alle Vorhaben, die sie geplant haben, erreicht? Gibt es Dinge zu verbessern?
Also es gibt immer neue Ideen – wir haben viele Ideen. Das Problem ist, inwieweit wir diese umsetzen können. Es geht um Kapazitäten, Ressourcen. Wir sind ein kleiner Verein und der braucht auch Geld. Aber das sind die Probleme, die fast alle Vereine haben. Auch die deutschen Vereine wahrscheinlich. Aber wir machen, was im Rahmen unserer Möglichkeiten zu erreichen ist. Wir versuchen das Geld so effektiv wie möglich zu nutzen. Aber selbstverständlich könnte man mehr machen.
Wir sind nicht immer alle zusammen, viele sind unterwegs. Wir sind kein großer Verein, wir sind kein Hansa Rostock, wo es tausende Mitglieder gibt – das ist auch nicht unser Konzept. Wir treffen uns einmal im Jahr bei der Vollversammlung und essen zusammen. Dahin laden wir auch die Leute ein, die mit uns zusammengearbeitet haben, aber das machen wir nur einmal im Jahr.
Gibt es denn eine klare Aufgabenverteilung oder arbeitet man mal an diesem, mal an jenem Projekt?
Nein, wir haben eine klare Aufgabenverteilung, sonst würden wir nicht funktionieren. Wir als Vorstand haben bestimmte Aufgaben. Wir treffen uns regelmäßig und bei den Finanzen ist es auch so, dass ich nicht allein entscheide. Wir versuchen, die Arbeit zu professionalisieren. Man kann nicht immer ehrenamtlich arbeiten. Wir wollen Leute richtig beschäftigen, weil Projekte durchzuführen sind. Das ist eins von unseren Zielen und wir sind auf dem richtigen Weg. Wir haben jetzt eine vollbezahlte Stelle und wir machen uns darüber Gedanken, wie man noch mehr schaffen kann. Ein anderer Punkt ist, dass wir gerne mit allen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, das ist uns sehr wichtig. Wir haben schon schlechte Erfahrungen gemacht, und wenn man zusammenarbeitet, dann müssen alle profitieren. Das gilt auch für die Migrationspolitik hier in der Hansestadt Rostock. Es geht nicht nur um Lateinamerika, es geht auch um die Latinos, die hier leben und die Probleme, die sie haben. Sie haben dasselben Problem wie jeder andere auch: Job, Qualifizierung, sich Integrieren in die Gesellschaft, Partizipieren und all das. Wir haben in den ganzen Jahren versucht uns „einzumischen“: Talide ist Mitglied von "Bunt statt Braun", Talide ist Mitglied im "Eine Welt Netzwerk" und wir versuchen auch politisch, mit der Erfahrung, die wir aus Lateinamerika hierher mitgebracht haben, mitzuwirken. Und das machen auch die anderen. Die Gleichberechtigung und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe sind ein wichtiger Aspekt.
Wir haben über viele Jahre schon einige Leute beschäftigt. Wie gesagt, es könnte noch besser sein, aber die Kapazitäten sind zu gering, um größere Projekte zu machen. Das ist schon ein Problem.