Menschen/ vidas

 



DR. RUBÉN CÁRDENÁS



Rubén Cárdenás ist Peruaner und ging 1979 zum Studium der internationalen ökonomischen Beziehungen nach St. Petersburg. Er hatte sich in Peru für ein Stipendium beworben und konnte als einer von wenigen Auserwählten am Austausch mit der Sowjetunion teilnehmen. Seine Doktorarbeit verfasste er im Fach Polit-Ökonomie und wählte sein Heimatland Peru als Forschungsgegenstand. Während seines Studiums in St. Petersburg lernte er auch seine spätere Frau kennen, mit der er 1988 nach Deutschland ging, um sich dort niederzulassen.


Von 1989 bis 1994 arbeitete er in der Fachabteilung für Wirtschaft in der Sektion Lateinamerika-Wissenschaften an der Universität Rostock. Die Sektion habe zu dem Zeitpunkt etwa 70 Mitarbeiter gehabt und drei Fachabteilungen umfasst. Als die SLAW 1994 abgewickelt wurde, hat Cárdenás einige Bildungsmaßnahmen mitgemacht und wurde 1995 Geschäftsführer des Ausländerbeirates (ABRO), der heute Migrantenrat heißt und dessen Geschäftsführer er immer noch ist. Die Aufgabe des Migrantenrats ist die Vertretung der Migranten gegenüber der Stadt, er setzt sich dafür ein, dass... Laut Cárdenas...haben sich die Organisationsstrukturen sehr verbessert, der Migrantenrat setze inzwischen mehr auf Vernetzung im Internet (www.migranet-mv.de), trage sich selbst und würde nicht mehr von der Kommune finanziert. Die Arbeit dort beschäftige sich vor allem mit den Themen Politik und Bildung, in diesem Zusammenhang würden regelmäßig Seminare organisiert werden, sagt Dr. Cárdenás. Die Geschäftsstelle des Migrantenrats befindet sich im interkulturellen Zentrum im Waldemarhof, auf seiner Internetseite stellt sich der Verein vor:


„Durch die Organisation eines Netzwerks der Migrantenorganisationen in Mecklenburg-  Vorpommern und Rostock wird die aktive Partizipation und das gesellschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten ermöglicht und gestärkt. Gleichzeitig wird das Netzwerk die Erschließung und Nutzung der Möglichkeiten der Partizipation der Migrantinnen und Migranten und die Übernahme von gesellschaftlicher Mitverantwortung fördern. Ziel ist, die Bildung von legitimierten Interessenvertretungen sowie die Selbstorganisation von Migrantinnen und Migranten in Mecklenburg-Vorpommern und Rostock zu unterstützen und die Einbeziehung von Vertreterinnen und Vertretern der Migrantenorganisationen in die Planung, Durchführung und Auswertung von Integrationsmaßnahmen auf kommunaler und Landesebene dadurch zu sichern. Die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten bei demokratischen Entscheidungsprozessen und somit ihre engere Einbindung in das Gemeinwesen wird angestrebt.“


Die Arbeitsstelle für Integrationsförderung („Ausländerbauftragter“) hat er ursprünglich kommissarisch übernommen, dieser Zustand dauert allerdings schon seit Jahren an. Als Ausländerbeauftragter koordiniert er das soziale Netzwerk für Spätaussiedler und andere Migranten. Des Weiteren verfolgt er dort ähnliche Ziele wie die des Migratenrates, u.a. unterstützt Rubén Cárdenás die Hansestadt Rostock beim Thema Integrationsförderung auf Bundes- und Landesebene, in anderen öffentlichen Gremien sowie gegenüber den Medien. Seine Aufgaben sieht er darin, die Selbstorganisation und Partizipation von Migranten zu fördern und sowohl eine sprachliche als auch berufliche Integration herbeizuführen. Darüberhinaus berät er Verbände und Vereine bezüglich Integrationsfragen und hilft bei der Entscheidungsvorbereitung zu Anträgen auf Vergabe von Fördermitteln an freie Träger. Ab Februar wird er die Stelle als Ausländerbeauftragter jedoch an eine neue Kollegin abgeben können.


Den Laden "El Indio" in der Waldemarstraße betreibt er seit mehr als zehn Jahren als GbR, er beschäftigt dort eine Arbeitskraft. Dort werden Kleidung, Schmuck und vor allem Deko-Artikel im indianischen Stil verkauft..


Darüber hinaus ist Rubén Cárdenás Vorsitzender des Vereins Talide. Mit seinem Heimatland Peru verbinden ihn Projekte, die er sowohl dort als auch hier organisiert hat, er schreibt ehrenamtlich für die Peruanische Zeitschrift La Primera und hat auch seine Doktorarbeit über Peru verfasst. Rubén Cárdenás ist außerdem Herausgeber eines Sammelbandes1, der zum Thema "Deutsche Leitkultur" in Zusammenarbeit mit Professoren der Uni Rostock und des Lateinamerikainstituts der FU Berlin entstand.


Er selbst schätzt die Gruppe der Lateinamerikaner in Rostock auf 100 bis 150 Menschen. Eine Statistik, die sich auf die Erhebung aus dem Dezember 2009 bezieht, weist 127 ausländische Bewohner der Hansestadt aus Lateinamerika aus. Allerdings gilt es an dieser Stelle zu berücksichtigen, dass eingebürgerte Zuwanderer in dieser Statistik nicht mehr erscheinen, weil sie mit der Einbürgerung als Deutsche gelten. Eine genaue Aufschlüsselung findet sich hier.


Die Veranstaltungen, die Rubén Cárdenás mit organisiert, sind vor allem an Deutsche gerichtet, allerdings gibt es auch Angebote für Lateinamerikaner. Von ihnen leben Cárdenás zufolge die meisten in Mischehen mit Deutschen und dürften daher die deutsche Staatsbürgerschaft haben.


1 Rubén Cardenas (Hg.): Beiträge zum Seminar: Un espacio – varias culturas/ Ein Raum – viele Kulturen, Rostock 27.-28. Oktober 2001, Rostock, 2002