Menschen/ vidas

 



PEPE ESCOBAR



Das erste Mal nach Deutschland kommt der 30-jährige Mexikaner Mitte 2007 – nach Chemnitz für knapp sechs Wochen. Doch schon kurz nach seiner Rückkehr ins Heimatland ist die Liebe dafür verantwortlich, dass Pepe Escobar seiner Freundin im Oktober 2009 nach Deutschland folgt, heute in Rostock lebt und als Salsa-Lehrer ein wenig lateinamerikanisches Flair in der Stadt verbreitet.


Geboren und aufgewachsen ist Pepe in Querétaro, eine, wie er sagt, ruhige und vergleichsweise sichere Stadt, zirka zwei Stunden von der Hauptstadt Mexikos entfernt. Vater (Philosophie- und Geschichtslehrer) und Mutter (Psychologin) des jungen Mexikaners eröffnen eine Bäckerei, um etwas zum Lebensunterhalt dazuzuverdienen, und auch Pepe erlernt zunächst den Beruf des Bäckers, um im Familienbetrieb aushelfen zu können. Mit 14 Jahren beginnt er, wie auch seine fünf Geschwister, sich für den Schwimmsport zu begeistern. Während seine jüngste Schwester sowie sein Bruder in den Leistungssport einsteigen und noch heute an großen Wettkämpfen wie Olympia teilnehmen, beschränkt Pepe sich darauf, den Nachwuchs zu trainieren und wird 2005 Schwimmtrainer einer Jugendmannschaft in Mexiko-Stadt. Dort lernt er knapp zwei Jahre später seine heutige Freundin, die Schwimmerin Britta Kamrau, kennen und lieben und folgt ihr im Oktober 2009 zurück in ihre Heimat Deutschland. Da ein Touristenvisum ihm nur einen Aufenthalt von drei Monaten gewähren würde, nimmt Pepe im Wintersemester 2009/2010 ein Sozialwissenschaftsstudium als Gaststudent auf und erhält damit vorläufig eine Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr. Um nach seiner Zeit als Gaststudent an der Universität bleiben zu können, ist ein bestandener Deutschtest (DaF: Test für Deutsch als Fremdsprache) notwendig. Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull führt jedoch im April 2010 dazu, dass der junge Mexikaner seinen Rückflug aus dem Urlaub auf Mallorca nicht antreten kann und damit den  Testtag verpasst, was gleichzeitig das Aus für sein Studium an der Universität Rostock bedeutet. Bereits in Mexiko hat Pepe ein fünfjähriges Soziologiestudium absolviert und mit Diplomarbeit abgeschlossen, jedoch nicht die Chance bekommen diese zu verteidigen, da sich die Universität bis heute gegen eine Online-Verteidigung sperrt.


Doch Pepe findet durch seine vielseitigen Interessen und Begabungen, und nicht zuletzt durch seinen Optimismus und seinen Ehrgeiz, immer wieder Wege, sich ein Leben in Deutschland an der Seite seiner Freundin zu ermöglichen. Von November 2009 bis November 2010 arbeitet er in Gehlsdorf als Übungsleiter und trainiert dort Kinder im Schwimmen, eine Arbeit, die ihm nicht nur Spaß macht, sondern ihn auch sprachlich weiterbringt. Im Sommer 2010 wird er zum Stadtführer für Kreuzfahrttouristen, liest sich dafür in die Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns und Rostocks ein und scheint im Tourismus eine weitere Leidenschaft gefunden zu haben. Pepe beginnt im September 2010 eine zweieinhalbjährige Ausbildung im Tourismusbereich an der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie Rostock (EWS) und darf somit zunächst bis 2013 in Deutschland bleiben. Neben der Ausbildung arbeitet der ambitionierte Mexikaner als Salsa- sowie Spanisch-Lehrer und ist bei dem einen oder anderen Auftritt als Tänzer zu sehen.


Ob die Menschen in Mexiko anders sind als in Deutschland? Auf diese Frage antwortet Pepe ganz diplomatisch: Genauso wie in Deutschland gibt es in Mexiko freundliche und unfreundliche, pünktliche und unpünktliche, gut gelaunte und schlecht gelaunte Menschen. Wirklich große Unterschiede existieren seiner Meinung nach eigentlich nicht – nur der deutsche Streuselkuchen schmeckt laut Pepe einfach besser.