Menschen/ vidas

 



ANY DOS SANTOS LIMA

„Musik verbindet Menschen auf der ganzen Welt“



Viele interessante Eindrücke über Leben und Leute in Deutschland schildert die brasilianische Opernsängerin Any Dos Santos Lima, die seit fünf Jahren am Rostocker Volkstheater mitwirkt, in einem Interview.


Schon früh wusste Any, dass sie auf der Bühne stehen wollte, daher absolvierte sie in ihrem Heimatland Brasilien eine Schauspielausbildung und sammelte dort erste Erfahrungen in ihrem Beruf. Dort noch als freie Künstlerin tätig, engagierte sie sich in einem staatlichen  Projekt für sozial gefährdete Kinder, nach dem Vorbild Venezuelas. Nach einigen Jahren Berufspraxis entschloss sie sich, ihre Heimatstadt Belém zu verlassen und zusätzlich in Rostock an der Hochschule für Musik und Theater eine Gesangsausbildung zu absolvieren. Wie sie ausgerechnet auf Rostock kam? Auf diese Frage antwortet sie, dass die HMT einen sehr guten Ruf für ihre Gesangs- und Schauspielausbildung genießt.


Als sie damals nach Rostock zog, war sie vollkommen begeistert von ihrem neuen Zuhause. Trotzdem gab es auch Phasen der Verzweiflung und des Heimwehs in der Fremde. Für Besuche in Brasilien bleiben ihr im Jahr nur einige Wochen. Vor allem die ungezwungene Offenheit der Menschen in Brasilien fehlt ihr, weil ihr in Deutschland oft die Ernsthaftigkeit der Menschen auffällt, wenn sie unterwegs ist. Außerdem vermisst sie, genauso wie ihre Theaterkollegin Liliana, das warme sonnige Wetter Brasiliens. Wie wohl so einige Lateinamerikaner, empfindet sie die langen deutschen Winter als deprimierend und bedrückend und wünscht sich strahlende Sonne. Trotzdem findet sie vieles gut am Leben hier in Rostock. Weil sie Mutter von zwei Kindern ist, schätzt an Rostock vor allem die Sicherheit und die Ruhe, die in Brasilien in der Form nicht gegeben ist. Im Anders als in ihrem Heimatland müsse man sich hier keine Sorgen machen, wenn die Kinder allein in der Stadt unterwegs sind. Dafür nimmt sie auch gern das kalte Winterwetter in Kauf.


Heute ist sie mit ihrem Leben in Deutschland zufrieden und hat sich mit den kulturellen Unterschieden gut arrangiert. Sie ist sich sicher, dass das Leben nirgendwo wirklich perfekt ist, und dass man sich überall einleben kann, wenn man die jeweiligen Eigenheiten der Kultur respektiert und sich bemüht, sie zu verstehen. Wichtig ist ihr zu betonen, dass die Integration nur funktionieren kann, wenn wirklich beide Seiten daran arbeiten und sich darum bemühen. Dazu gehöre ihrer Meinung nach vor allem, die Sprache des jeweiligen Landes zu lernen, da Verständigung essentiell für das Zusammenleben ist. Vor allem Musik und Kunst im Allgemeinen – so Any - verbindet Menschen. Deshalb fühlt sie sich mit ihrer Arbeit im Volkstheater in Rostock auch sehr wohl. So konnte sie im Rostocker Volkstheater, das aus Mitgliedern vieler verschiedener Nationalitäten besteht, gute Freundschaften schließen. Auch außerhalb des Theaters konnte sie durch ihre offene und lebenslustige Art mit einigen Brasilianern und auch Einheimischen gute Freundschaften aufbauen.

Ab Februar 2011 ist Any Dos Santos Lima wieder das Rostocker Publikum als die Gräfin von Ceprano in Rigoletto von Guiseppe Verdi begeistern.